Zu zweit in die Zukunft
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Die heutige Zeit hat uns einen reichen Markt an Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung zwischen Mann und Frau beschert. One-Night-Stands, Affären oder „friends with benefits“. Ist da die Ehe eine überholte Form, die nur noch mit ihren letzten romantisch wärmenden Strahlen aus längst vergangener Zeit zu uns herüberleuchtet?

„Ich will dich lieben und ehren…“
So oder so ähnlich beginnt das Eheversprechen in den meisten christlichen Kirchen. Wer an dieser Stelle entspannt auf der Kirchenbank sitzen bleiben kann, der hat die Dramatik dieser Worte und die Dimension dieses Versprechens nicht erkannt. Denn die Liebe ist eine ernsthafte Angelegenheit. Wer bei dem Wort „Liebe“ vor allem an romantische Gefühle denkt, wird vermutlich noch einmal gründlich überlegen müssen, ob er seine Partnerschaft auf Liebe aufbauen möchte. Denn nach christlichem Verständnis ist die Liebe weit mehr als ein inniges Gefühl der Zuneigung – wenngleich natürlich auch die Bibel diese emotionale Seite als Geschenk Gottes versteht. Liebe, das ist nach christlichem Verständnis eine harte und verbindliche Form der Beziehungsgestaltung, die frei von rein ichbezogenen Zügen ist. Am prägnantesten wird dieses Liebesverständnis von Paulus im 1. Korintherbrief auf den Punkt gebracht:„Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut sie, sie verliert nicht die Hoffnung und hält durch bis zum Ende“ (1. Korinther 13, 4 – 7).
Es lohnt sich an dieser Stelle kurz innezuhalten und sich obige Zeilen noch einmal bewusst durch den Kopf gehen zu lassen. Wenn wir verstehen, mit welcher Unbedingtheit die Liebe hier beschrieben wird, bekommen wir langsam eine Ahnung davon, wie herausfordernd diese Worte sind. Gleichzeitig kriecht unweigerlich die ängstliche Frage hoch: „Wie soll das ein Mensch je schaffen? Die wenigsten von uns sind schließlich reine Heilige.“ Das ist ein berechtigter Einwand und dennoch beschreibt Paulus die Liebe als das Wichtigste. Ohne die Liebe sei alles nichts (vgl. 1. Korinther 13, 1 ff.).
Diese so eindringlich beschriebene wahrhaftige Liebe unterscheidet sich stark von einer „Liebe“, die ihren Ursprung in einem Begehren nach dem Anderen hat, in einem Begehren das befriedigt werden will und das alles dem Ziel dieser Selbstbefriedigung unterordnet. Dabei versucht diese begehrliche Liebe, den anderen Menschen an sich zu binden und zu unterwerfen. Und wenn das Begehren nicht mehr erwarten kann, erfüllt zu werden, schlägt es in Verbitterung und Hass um. Diesen Zusammenhang hat der Volksmund in dem Spruch festgehalten: „Die Liebe ist eine Leidenschaft, die Liebe sucht und Leiden schafft.“ Leider verwechseln zu viele Paare die Liebe mit dieser Form des Begehrens und viel zu oft müssen sie dann vor den Scherben ihrer einst hoffnungsvoll begonnenen Gemeinschaft stehen.

Diese gegenseitige vertraute Offenheit ist notwendig, um uns gegenseitig unterstützen zu können, wenn einer strauchelt oder fällt. Diese Tiefpunkte des Strauchelns können dabei zu Hoch-Zeiten einer gelingenden Ehe werden. Denn wenn wir die Last des anderen tragen, nehmen wir die Schwachheit und Grenzen des anderen an. In solchen Momenten können wir uns besonders sichtbar die Liebe schenken, die auch Christus für uns hat. Und derjenige, der in so einem Moment getragen und gehalten wird, darf lernen, die Liebe Christi, die ihm durch den liebenden Partner zuteil wird, anzunehmen, darf verstehen, dass er in seiner Schwäche angenommen und gehalten ist. Auch das ist für viele von uns keine einfache Situation, denn wie gern sehen wir uns als starke Menschen, die auf eigenen Füßen stehen. Doch die Erfahrung dieser unbedingten Liebe kann in uns ein neues Selbstbewusstsein erschaffen, das uns in die Lage versetzt, leichtfüßig die Ansprüche anderer an uns und die Bedingungen der Anerkennung durch die Welt abzustreifen und unser Leben neu, fröhlich und frei zu genießen.
Nun wird der eine oder andere sagen: „Das klingt gut. Aber wozu bedarf es der Ehe? Kann man nicht auch sonst lieben?“ Das ist richtig. Wir sind auch aufgefordert, in allen unseren Beziehungen Liebe zu schenken und uns damit beschenken zu lassen. Aber wir sehen auch, wie wenig selbstverständlich die Liebe ist. Mit der Ehe hat uns Gott einen Rahmen geschenkt, der uns immer wieder daran erinnert, dass wir gemeinsam den Versuch machen wollen, wirklich einander zu lieben und unsere eigenen Begehrlichkeiten abzulegen – ganz so, wie Christus es uns vorliebt. Aber die Ehe ist mehr als das. Das Eheversprechen geht noch weiter:
„…in guten wie in schlechten Zeiten bis dass der Tod uns scheidet!“
„Hilfe, meine Freundin will mich heiraten!“ So war kürzlich in einem Studentenforum im Internet zu lesen. Verzweifelt wunderte sich der Hilfesuchende über die Beharrlichkeit seiner Freundin bei dem Wunsch nach einer Ehe, zu der er keinesfalls bereit sei, weil die Ehe doch bedeutungslos sei und man doch so oder so ein Leben lang zusammenbleiben könne. Das ist eine Argumentation, die man immer wieder hört. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, wissen wir, dass sie nicht stimmt. Denn wenn die Angelegenheit wirklich so unbedeutend wäre, dann bräuchte sich niemand mit Händen und Füßen dagegen zu wehren. Dann wäre es ein Leichtes, der Freundin den Gefallen zu tun, wie man vielleicht auch sonst für sie Dinge tut, die letztlich unbedeutend, aber ihr irgendwie wichtig sind, wie z.B. die neueste Liebeskomödie mit ihr gemeinsam anzuschauen.Doch wir ahnen, dass die Hochzeit keine unbedeutende Kostümparty mit nettem Rahmenprogramm ist, sondern einen wesentlicher Einschnitt und eine dauerhafte Verpflichtung darstellt. Die Endgültigkeit dieser Entscheidung tritt vor Augen. Aber ist das überhaupt noch zeitgemäß? Wer kann schon überblicken, was in fünf oder zehn Jahren sein wird? Ist es da nicht angemessener, die Ehe von vornherein mit Verfallsdatum zu schließen? Lassen wir dazu zunächst einmal Jesus selbst zu Wort kommen:
„Gott hat die Menschen von Anfang an als Mann und Frau geschaffen. Darum verlässt ein Mann seine Eltern und verbindet sich so eng mit seiner Frau, dass die beiden eins sind mit Leib und Seele. Sie sind also eins und nicht länger zwei voneinander getrennte Menschen. Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Markus 10, 6 – 9).